Jeden Monat präsentieren wir euch einen besonderen Künstler. Oder besser gesagt: Ein Künstler bekommt von uns die Möglichkeit, sich selbst vorzustellen. Diesen Monat erfahrt ihr mehr über unsere artiazza Künstlerin und Illustratorin Gaby Bähler.

Ich heisse Gaby Bähler und bin geboren und aufgewachsen im schönen Glarnerland – in Glarus. Schon als Kind habe ich sehr gerne gezeichnet und gemalt. Seit ich als Kind eine Doku über Disney-Zeichner im Fernsehen gesehen hatte, war mein heimlicher Wunsch, später einmal Comic- oder Trickfilmzeichnerin bei Walt Disney zu werden.

Mein Vater fand das aber nicht so eine gute Idee wie ich, und er legte mir deshalb nahe, zuerst einmal einen „vernünftigen“ Beruf zu lernen. So liess ich mich widerwillig und desillusioniert zu einer Lehre als Kaufmännische Angestellte überreden. Heute frage ich mich manchmal, ob mir diese Ausbildung überhaupt irgend etwas gebracht hat ausser Zeitverlust – aber vielleicht hilft mir das KV manchmal heute in ganz wenigen Situationen, z.B. dann, wenn ich für Artiazza einen Blog-Beitrag verfassen darf.

Keine Lust aufs KV

Es dauerte dann jedenfalls eine ganze Weile, bis ich mich endlich an die Verwirklichung meiner beruflichen Träume wagte. Ich  schreibe dies, um Menschen in einer ähnlichen Situation, welche mit ihrer beruflichen Laufbahn hadern, zu motivieren, nicht allzu lange zu überlegen.

Noch während dem KV wurde mir klar, dass mich dieser Beruf niemals glücklich machen würde, und ich wollte mich nicht damit abfinden, dass es das nun sein sollte. So bewarb ich mich gleich nach Abschluss der Prüfungen für eine Stelle als Dekorationsgestalterin bei Coop, weil ich dies zumindest mehr mit Gestaltung verband als das KV und weil ich nicht wirklich eine Vorstellung von meiner Zukunft und meinen Möglichkeiten hatte. Ich bewarb mich eigentlich ohne Hoffnungen und wurde tatsächlich – obwohl ich keinerlei Erfahrung in diesem Bereich vorzuweisen hatte – angestellt!

Erfüllung eines Traums

Das war doch schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Als ich meine Chefin später einmal fragte, warum sie sich denn ausgerechnet für mich entschieden hat, obwohl sie viele qualifizierte Bewerbungen von berufserfahrenen, ausgebildeten Dekorateurinnen erhalten hatte, meinte sie, dass sie meine Begeisterung für den Beruf überzeugt hatte. Die anderen Dekorateure suchten einen Job zum Geld verdienen – ich suchte quasi die Erfüllung eines Traums.

Tatsächlich erwies sich die Arbeit in unserem kleinen, dreiköpfigen Team als absolut kreativ und traumhaft schön im Vergleich zu meiner Lehrzeit, und ich genoss eine sehr lustige, entspannte Zeit, in der wir auch viel herumkamen.

Neue Anstellung bei Manor

Ein Schicksalsschlag meiner Chefin, ihre anschliessende Kündigung sowie die Versetzung unseres Ateliers von Rapperswil nach Hinwil veränderten schliesslich diese Situation recht schnell. Unser neuer Chef stellte sich als Betrüger heraus. Ausserdem war die Arbeit unter ihm bei weitem nicht mehr so kreativ und auch die Stimmung war angespannt. Der weite Arbeitsweg mit dem vielen Umsteigen gab noch den Rest und führte dazu, dass ich definitiv einen neuen Weg suchen wollte.

Dies war aber ohne gestalterische Ausbildung und mit nur gut einem Jahr Dekorationserfahrung eher schwierig (das dachte ich zumindest), und zurück ins KV wollte ich auf gar keinen Fall. So packte ich meinen Mut – bzw. all meine Zeichnungen und Malereien – in eine Zeichenmappe und spazierte ohne viel zu überlegen und ohne Voranmeldung in die Dekorationsabteilung bei Manor in Luzern.

Ich fragte, ob der Chef da sei, weil ich ihm gern ein paar Arbeiten zeigen würde. Tatsächlich nahm er sich für mich Zeit, und der„Zufall“ (?) wollte es, dass er gerade mit dem Gedanken spielte, eine zusätzliche Person anzustellen. So kriegte ich die Stelle und arbeitete insgesamt wohl fast fünf Jahre dort. Ich war sehr zufrieden, weil wir Vieles selber herstellen konnten und experimentieren durften – es gab damals noch fast keine Einschränkungen „von oben“.

Die Aufgaben reichten vom Menü-Tafeln von Hand beschriften, Artikel-Plakate stempeln, Folienschriften schneiden, Objekte aus Gips, Draht, Karton usw. basteln über Schaufensterpuppen bekleiden, Bilder und Objekte aufhängen etc. und waren eine Zeit lang sehr vielfältig und kreativ.

Je länger ich dort arbeitete, desto mehr veränderte sich der Beruf (wie auch das Team), und wir kriegten immer mehr Vorschriften und mussten uns an Gesamtkonzepte halten, wie die Schaufenster und Innenräume genau auszusehen hatten. Die meisten Elemente wurden uns schon fertig zugestellt, und wir mussten sie bloss noch anordnen. Deshalb suchte ich wieder nach etwas, was mir mehr Freude bereitete.

Die Bergwelt ruft

Ich baute bei Manor immer mehr Stellenprozente ab und begann, parallel dazu im Glarnerland am Skilift tätig zu sein. Dies gefiel
mir als Ausgleich zur Warenhaus-Atmosphäre sehr gut, denn ich war an der frischen Luft, ich konnte mich körperlich austoben mit Schnee schaufeln, Waren umladen usw. und war auch geistig ein wenig gefordert an der Skilift-Kasse.

Neben der grossartigen Natur genoss ich es auch, mit Menschen aller Art in Kontakt zu sein, mit Gästen, Skilehrern und Angestellten vom Studenten bis zum Bergbauern. Die Bergwelt zog mich immer mehr in ihren Bann, und irgendwann hielt ich das künstliche Licht, die Klimaanlagen-Luft und die Warenhaus-Atmospäre fast nicht mehr aus. So kündigte ich die Stelle bei Manor und fuhr nun öfters morgens mit dem Sessellift über das Nebelmeer.

"Die Bergwelt zog mich immer mehr in ihren Bann" - Illustrierte Werbepostkarte von Gaby Bähler

„Die Bergwelt zog mich immer mehr in ihren Bann“ – Illustrierte Werbepostkarte von Gaby Bähler

Die Sommer- und Frühlingsmonate der folgenden drei Jahre verbrachte ich in luftiger Höhe als Hüttenwarts-Gehilfin in der Claridenhütte SAC, während ich die Zwischen- und Wintersaisons mit Saison- und Gelegenheitsjobs am Skilift, der Schneebar, im Bergrestaurant, der Badi, als Fotoentwicklerin im Stundenservice, Take Away-Verkäuferin, Fabrik-Arbeiterin, Küchen-Angestellte
oder bei der Mithilfe an Pfläster-Arbeiten oder Haus-Renovationen überbrückte. Dies reichte, um mich finanziell über Wasser zu halten, und es war auch spannend, ständig in neue Bereiche eintauchen zu können. Trotzdem war auch das auf Dauer nicht
wirklich zufriedenstellend.

Dank Schlüssel-Erlebnis zur ZHDK

Zwar waren die drei Jahre in der Claridenhütte unglaublich eindrücklich und prägend für mich, und ich zehre noch heute von diesen Erlebnissen. Trotzdem spürte ich immer mehr, dass mir irgend etwas fehlte: Die Herausforderung, bzw. die Erfüllung im
Beruf. Ab und zu konnte ich zwar auch etwas gestalten, z.B. Sujets für T-Shirts, Pullover und Mützen für die Claridenhütte, einen
Snowboardclub usw. Aber ich wollte so etwas gerne häufiger machen.

Schon ziemlich früh hörte ich von der „Kunstgewerbeschule“ (wie sie damals hiess). Ich traute mir so etwas aber nicht zu und
war überzeugt, dass meine Fähigkeiten dafür niemals ausreichen würden. Folgendes Schlüssel-Erlebnis motivierte mich letztlich, es trotzdem zu versuchen: Als wir die Pullover mit meinem Sujet für die Claridenhütte produzieren liessen, begleitete uns ein selbständigen Grafiker aus dem Glarnerland. Ich zeigte ihm nebenbei meine anderen Arbeiten – obwohl es mir ehrlich gesagt etwas peinlich war, diese einem „Experten“ vorzulegen.

Zu meiner grossen Überraschung war er aber alles andere als peinlich berührt, sondern im Gegenteil ganz begeistert. Er meinte, wenn er selber ein solches Talent besitzen würde, hätte er die Kunstgewerbeschule gemacht, und nicht eine Lehre als Grafiker. Dies motivierte mich tatsächlich endlich, meinen Mut zusammenzunehmen und mich für den Gestalterischen Vorkurs an der Kunstgewerbeschule in Zürich (heute ZHDK) zu bewerben.

Neues Kapitel in Zürich

Zu meiner grossen Freude und Überraschung wurde ich in den Vorkurs aufgenommen und erlebte quasi einen „Kulturschock“,
als ich nach ein paar Jahren in der Einsamkeit der Berge begann, täglich von Glarus nach Zürich zu pendeln: Eine neue, viel hektischere, laute Welt voller neuer Eindrücke erwartete mich, inklusive Stadtleben – was ich bis dahin weder wirklich kannte noch vermisste. Diese neue Welt war zwar etwas grau und die Hektik und das Gewimmel irgendwie beängstigend, aber zugleich auch sehr inspirierend und farbig!

Und ich lernte endlich viele ähnlich denkende und fühlende Menschen kennen, mit denen ich mich austauschen konnte.
Ich wollte den einjährigen Vorkurs besuchen und hatte keinen Plan, wie es danach weitergehen sollte. Im Vorkurs wurden dann
die ganzen Studiengänge thematisiert, die man theoretisch an den Vorkurs anhängen könnte. Ich setzte mich zwar damit auseinander und spürte bald, dass mich noch immer die Themen meiner Kindheit – Comic und Trickfilm – am meisten begeisterten.

Doch traute ich mir eine Aufnahme in eine dieser Fachklassen einmal mehr überhaupt nicht zu. Zumal, da es sich ausgerechnet
um die beiden Fachbereiche handelte, welche schweizweit mit nur jeweils einer einzigen Klasse geführt wurden: In die Illustration
wurden jährlich insgesamt 12 oder 13 Bewerber aufgenommen und in die Animation sogar nur ca. 4 – auch deshalb rechnete
ich mir da überhaupt keine Chancen aus. Da ich bisher noch gar nichts mit Animation am Hut hatte und so wenig Studenten
aufgenommen wurden, entschied ich mich, es bei den Illustratoren zu versuchen. Und siehe da, auch das klappte!

Hilfe von Supportern

Nun musste ich mich aber noch um die Finanzierung des Studiums kümmern. Nach langen Abklärungen fand ich heraus, dass es neben kantonalen Studiengeldern auch möglich ist, sich bei Stiftungen um Fördergelder zu bewerben. So schrieb ich sehr viele Briefe und erhielt einige Absagen, aber glücklicher Weise auch ein paar Zusagen. An dieser Stelle danke ich ganz herzlich meinen Eltern, dem Kanton Glarus, und ganz besonders Professor Peter Jenny von der ETH Zürich und weiteren Stiftungen, welche an mich glaubten und mich mit ihrer finanziellen Unterstützung meinen Traum weiter verfolgen liessen, denn allein hätte ich das teure Studium niemals finanzieren können.

Neue Herausforderungen in Luzern

So zog ich mit 28 Jahren mit gemischten Gefühlen weg vom Glarnerland nach Luzern: Einerseits sehr vorfreudig gespannt, was
mich bei den Illustratoren erwarten würde. Andererseits traurig, meine geliebte, mir so bekannte Glarner Bergwelt hinter mir
lassen zu müssen. Die vier Jahre in der Illustrationsklasse an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern (heute Hochschule Luzern Design & Kunst HSLU, Fachbereich Illustration Fiction) waren sehr inspirierend und lehrreich. Andererseits verstärkte sich manchmal bei mir der Druck dadurch, dass ich mich nun mitten im Kreis von sehr begabten Illustratoren beweisen musste. Dies bereitete mir manchmal schlaflose Nächte, und ich arbeitete oft bis spät in die Nacht an meinen Projekten.

Zur Ausbildung gehörte auch ein Austausch, welcher meist in eine ausländische Illustrationsklasse führte. Wegen einem plötzlichen Unfall in der Familie sagte ich meinen geplanten Austausch nach Budapest aber kurzfristig ab und suchte nach einer Lösung in der Nähe. So kam ich dazu, einen schul-internen Austausch in die Animations- bzw. Trickfilmklasse an der HGKL zu
machen.

Die Stimmung in der Animation war ziemlich anders als in der Illustration. Hier arbeitete man nicht als „Eigenbrötler“ mit dem Ziel vom „perfekten Bild“, sondern war Teil eines Teams und war oft in der Gruppe kreativ – das Einzelbild war nicht das Resultat, sondern ein kleiner Teil in einem grossen Ganzen. Der neue Austausch, verbunden mit dem gemeinsamen Spass, und die lockere, verspielte Atmosphäre in diesem Studiengang gefielen mir sehr – ich fühlte mich von Anfang an sehr wohl und entspannt!

Illustration und Animation

Und hier war es auch völlig normal, dass viele Studenten so wie ich oft bis in die tiefe Nacht im Schulatelier werkelten. Von nun an bewegte ich mich in zwei Bereichen: Der Illustration und der Animation. Ich überlegte dann auch lange, in welche Richtung
meine Diplomarbeit gehen sollte. Letztendlich entschied ich mich für ein Experiment: Bis dahin kannte ich Trickfilm nur als Zeichentrick auf Papier.

Nun wollte ich nochmals etwas Neues lernen und ich begann, mir mit etwas Hilfe die Grundlagen der Computer-Animation mit After Effects beizubringen. Ich entschied mich, einen Musikclip in Collagetechnik für ein Mitglied unserer ehemaligen Glarner Band in einem Mix aus Illustration und Animation umzusetzen: Ein Musikclip gab mir die nötige Freiheit, mit der neuen Technik zu experimentieren, ohne dass ich mich daneben mit einer kompletten Geschichte beschäftigen musste.

Der Einstieg war nicht einfach, aber mit der Zeit machte es mir immer mehr Spass, kleine „Geschichten“ und Ideen in den Clip einzubauen, und ich spielte mit den Themen des Songs wie Tanz, gesellschaftliche Regeln, Verbote und den Klischees der perfekten, glitzernden HipHop-Welt – es entstand quasi ein „Anti“-Clip, der sowohl inhaltliche als auch gestalterische Regeln hinterfragt. Die in diesem Clip verwendete Technik stellte dann auch die Weichen für mein weiteres Schaffen nach der Ausbildung.

Projekte für Zauberlaterne und Fumetto

Weil ich in Luzern inzwischen viele Kontakte geknüpft hatte und mittlerweile auch privat ziemlich verwurzelt war, blieb ich (abgesehen von einem Jahr in Zürich) in Luzern und der nahen Umgebung. Ausserdem merkte ich nach und nach, dass es auch in
und um Luzern ein paar ganz schöne Berge gibt. Jedenfalls bewegte ich mich die ersten Jahre nach meiner Ausbildung hauptsächlich im Trickfilmbereich, welcher damals noch eher einer Grossfamilie glich, wo Jeder Jeden kannte.

Dies hat sich mittlerweile stark geändert, und die HSLU bildet heute jedes Jahr ca. 20 neue Animatoren aus. Nach der HSLU arbeitete ich zuerst projektbezogen angestellt im Trickfilmstudio „Swamp“ Luzern („Giraffes don‘t go to heaven“).
Danach durfte ich praktisch in Eigenregie ein riesiges E-learning-Projekt für die Uni Lugano mit einer Animationsdauer von
gut 2 Stunden im Stil meiner Diplomarbeit realisieren, welches zwar nicht viel Geld, dafür aber umso mehr Erfahrung brachte
(„Mystery Cove“). Daneben konnte ich für den Kinder-Filmklub „Zauberlaterne“ zusammen mit Kindern Film-Trailer machen,
was mir sehr viel Spass bereitete.

 

"Die Bergwelt zog mich immer mehr in ihren Bann" - Illustrierte Werbepostkarte von Gaby Bähler

Auszug aus dem Film «Big trouble with little BatHat». Animation für die Fumetto-Gruppenausstellung «Hey Hey Hero!» in der Kapelle der Rössligasse Luzern.

Darauf folgten weitere Projekte in kleinen Teams, wo wir Trailer zeichneten, an einem Musikclip-Wettbewerb für die Fantastischen 4 teilnahmen, einen Musikclip für die deutsche 80-er-Jahre-Hit-Band „Camouflage“ machten und wir nahmen teil am ersten 48-Stunden-Movie-Marathon „Talent Screen“, wo wir im Team innert 48 Stunden einen Puppentrickfilm zum Thema „Putzen und Lächeln“ improvisierten und tatsächlich den ersten Preis holen konnten.

Kolorieren für Titeuf-Film

In Teilzeit-Anstellung erstellte ich (low-budget-) Werbespots für das Medienhaus „Denon-Film“ in Rapperswil und eine Firma
in Basel (arbel GmbH). Manche Auftragsfilme entstanden allein und in Eigenregie (z.B. für das Landesmuseum Schwyz), bei
anderen führte ich verschiedene Arbeitsschritte für andere Regisseure und im Team aus (z.B. „Birdy“), und manchmal kreierte
ich Trickfilme nach eigenen Ideen, so z.B. für eine Fumetto-Superhelden-Ausstellung oder eine Gruppen-Ausstellung zum Thema
Reality TV“. Und im Jahr 2010 war ich drei Monate in Luxemburg, um im grossen Team am Kinofilm „Titeuf“ als Koloristin
mitzuarbeiten.

In der Zwischenzeit wurde ich zunehmend für Illustrations-Aufträge angefragt. Dadurch ergab sich ein fliessender Wechsel in
diesen Gestaltungsbereich wie von selbst. Da es für Illustratoren so gut wie keine Möglichkeiten für feste Anstellungen gibt,
verlegte ich meinen Arbeitsplatz nun von zuhause in ein Gemeinschaftsatelier nach Luzern. Es war aber nicht immer einfach,
mich als freie Illustratorin/Animatorin über Wasser zu halten. Um mich finanziell abzusichern, war ich zeitweise froh um ein
zusätzliches 40%-Pensum als fest angestellte Grafikerin, Motion Graphik Designerin oder als Assistentin Illustration Fiction an
der HSLU.

Freude an der Abwechslung

Als ich im Jahr 2012 mit meinem ersten Kind schwanger wurde, kündigte ich meinen Assistenz-Job. Inzwischen habe ich zwei
wunderbare kleine Jungs und komme deswegen nicht mehr so oft ins Atelier. Mit zunehmender Kapazität möchte ich aber
natürlich auch gerne wieder mehr arbeiten. Meine Arbeit als Illustratorin ist sehr vielseitig: Manchmal gestalte ich Maskottchen, dann Karikaturen, illustrierte Werbe-Postkarten, Illustrationen für Werbegeschenke wie Becher oder Taschen, Tschuttiheftli-Bilder, Flyer, Visualisierungen, Geburts– oder Hochzeitskarten, eine Leitfigur für einen Themen-Wanderweg oder freie Bilder ohne Auftrag.

Krokodil - freies Bild ohne Auftrag

Krokodil – freies Bild ohne Auftrag

 

Linoldruck von Daniel Agger für das Tschuttiheftli

Linoldruck von Daniel Agger für das Tschuttiheftli

 

Ich liebe die Abwechslung und versuche, meine Technik jeweils dem gegebenen Thema anzupassen. Dabei möchte ich unbedingt
auch immer wieder manuell arbeiten – sei dies mit Zeichnung, Malerei oder Linolschnitt. Den Computer setze ich zwar
auch als gestalterisches Werkzeug ein, aber selten ausschliesslich.

«Ist der Kunde zufrieden, bin ich es auch»

Obwohl ich sehr gern an eigenen Bildern arbeite, mag ich auch die Auftragsarbeit sehr. Durch die Einschränkung entstehen
neue Optionen, welche ausgelotet werden können, und ich sehe es als Herausforderung, den Wünschen meiner Auftraggeber
gerecht zu werden und eine möglichst optimale Lösung zu finden, die dem Kunden und auch mir gefällt.

Meine Entscheidung, doch noch einen gestalterischen Beruf zu erlernen (bzw. der Mut dazu) kam zwar spät – aber noch lange
nicht zu spät. Denn durch die Abwechslung werde ich die Freude an meinem spannenden Beruf wohl nie verlieren – auch
wenn man damit (meistens) weder reich wird noch viel Sicherheit hat und ich nach wie vor bei jedem Auftrag erst einmal
zweifle, ob ich das wirklich schaffen werde. Eigentlich war es am Schluss noch immer so, dass der Kunde mit meiner Arbeit
glücklich oder mindestens zufrieden ist – und ich bin es dann zuletzt auch.

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